DIALOGE

mit Birgit und Horst Lohmeyer/ mit Michael Ebach

D 2016 • 16:9 • Farbe • Stereo • Länge 103 min

In dem kleinen Mecklenburger Dorf Jamel behauptet sich das Künstlerehepaar Birgit und Horst Lohmeyer gegen Bewohner, die zum Großteil der rechten Szene angehören, unter anderem mit dem alljährlich stattfindenden Musikfestival „Jamel rockt den Förster“. Für ihr vielfältiges Engagement gegen Rechts wurden sie mehrfach ausgezeichnet und sind international bekannt. Nur ein Dialog mit Neonazis ist für sie unvorstellbar. Während Lohmeyers sich in der Mitte unserer Gesellschaft kreativ und individuell verwirklichen, ist der Gestaltungsspielraum des jungen Neonazis Michael Ebach persönlich wie sozial eng begrenzt. Wir bringen ihn in unserem 100minütigen Dokumentarfilm künstlich (Split Screen) und künstlerisch mit Lohmeyers zusammen und zeigen, wie anstrengend, schwierig, aber auch unumgänglich der Dialog gerade mit Menschen wie Ebach für uns und die Zukunft unserer Gesellschaft ist. „Wir müssen unsere Komfortzonen verlassen. Wir müssen uns auch für Argumente öffnen, die uns fremd sind“, forderte Bundespräsident Gauck am 11.3.16 in Bautzen, damit der Hass nicht gefährlich wird und keine Brandsätze fliegen. Gewidmet ist der Film dem früh verstorbenen Mario Pentzien, der in unserem Film Dialogmöglichkeiten für beide Seiten aufmacht. „Wer nicht schießen will, muss reden“, das ist mit Willy Brandt das Resümee unseres Filmes.

Buch und Regie: Carmen Blazejewski

Kamera und Originalton: Andreas Höntsch

Montage: Dietmar Kraus

Mischung: Roger Pitann

Produziert von Wilder Norden Film 2016

Kulturelle Filmförderungen Mecklenburg-Vorpommern und Hessen

  • DIALOGE
  • DIALOGE Anastasia
  • DIALOGE Horst
  • DIALOGE Hugendubel
  • DIALOGE Birgit
  • DIALOGE Tobi

Rezensionen

Der Film bringt alle Weltbilder durcheinander, ist so wunderbar antiideologisch, dass ich mich nach einiger Verwirrung vergnügt zurücklehnte. Tja, so ist das, denke ich.
Joachim von Mengershausen, FilmForm Köln

Die in der Nähe von Wismar lebende Autorin und Filmemacherin hat diesen Dialog hergestellt – mit einem filmischen Kunstgriff. Denn wirklich an einen Tisch setzen wollten die beiden Parteien sich nicht. Blazejewski hat Michael Ebach und den Lohmeyers viele Fragen gestellt. Die Antworten zeigen, dass es einige Punkte gibt an die sie in einem realen Gespräch vermutlich anknüpfen würden... Gemeinsamkeiten, die ihnen die Chance bieten könnten, einander kennenzulernen und gegenseitiges Misstrauen abzubauen.
Nele Baumann, „Wer nicht schießen will, muss reden“ OZ, 24.02.17        

Die Diskussion nach dem fast zwei Stunden langen Film erstaunte – ebenso wie der Streifen, der zuvor gelaufen war. Offen bekannten Besucher sich zu ihren widerstreitenden Empfindungen, rangen mit Erklärungen, befragten die Filmemacherin... Die größte Stärke des Filmes ist, darin waren sich die Zuschauer einig, dass er Klischees auf jeder Seite hinterfragt.
Annett Meinke, „Film über Jamel elektrisierte Publikum“ OZ, 28.02.17    

Film „Dialoge“ als mutiger Schritt ... vielleicht ist es ja gerade diese falsche Ausgrenzung von Menschen, das Bekämpfen von Personen statt von Ansichten, was eine Lösung der Probleme mit Radikalen verhindert. „Dialog braucht uns so, wie wir sind“, behauptet der Film in einem Mottosatz. Danach freilich verändert er uns alle.
Dietrich Pätzold, „ Maß des Respekts oder: Wie geht Dialog?“, OZ, 14.03.17